Was die Beihilfe für Krankengymnastik zahlt — alle sechzehn Länder im Vergleich
Dieselbe Behandlung, dasselbe Land, ein anderer Dienstherr — und ein anderer Betrag. Für eine Krankengymnastik als Einzelbehandlung liegt der beihilfefähige Höchstbetrag je nach Bundesland zwischen 26,80 € und 29,70 €. Diese Tabelle führt alle sechzehn Länder und den Bund, mit Rechtsgrundlage und dem Tag, an dem wir zuletzt nachgesehen haben.
Heilmittel sind der Teil der Beihilfe, bei dem am wenigsten verhandelt wird und am meisten Geld liegen bleibt. Nicht Ihr Rechnungsbetrag ist beihilfefähig, sondern höchstens ein Betrag, der in einer Anlage zur Beihilfeverordnung steht — je Behandlung, auf den Cent genau. Was darüber liegt, kommt gar nicht erst in die Summe, aus der Ihr Bemessungssatz gerechnet wird.
Diese Beträge sind Landesrecht. Und sie liegen weiter auseinander, als man erwarten würde.
Höchstbeträge im Vergleich, Stand 20.08.2026
Krankengymnastik als Einzelbehandlung, absteigend nach Betrag. Zum Vergleich in der ersten Zeile der Bund.
| Dienstherr | Höchstbetrag | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Bundesbeihilfe | 29,70 € | Anlage 9 (zu § 23 Absatz 1) BBhV |
| Baden-Württemberg | 29,70 € | § 16 Abs. 1 BVO Baden-Württemberg in Verbindung mit Anlage 9 BBhV |
| Brandenburg | 29,70 € | § 62 Absatz 1 Landesbeamtengesetz Brandenburg in Verbindung mit Anlage 9 (zu § 23 Absatz 1) BBhV |
| Bremen | 29,70 € | Vorgriffsregelung zu § 4 Absatz 1 Nummer 8 BremBVO (Erlass des Senators für Finanzen) in Verbindung mit Anlage 9 (zu § 23 Absatz 1) BBhV |
| Hamburg | 29,70 € | § 9 Absatz 3 Hamburgische Beihilfeverordnung (HmbBeihVO) in Verbindung mit der Zusammenstellung der beihilfefähigen Höchstbeträge des Personalamts |
| Mecklenburg-Vorpommern | 29,70 € | § 80 Absatz 7 Landesbeamtengesetz Mecklenburg-Vorpommern in Verbindung mit Anlage 9 (zu § 23 Absatz 1) BBhV |
| Niedersachsen | 29,70 € | Anlage 5 (zu § 18 Abs. 1) NBhVO |
| Rheinland-Pfalz | 29,70 € | Anlage 3 (zu § 22) BVO Rheinland-Pfalz |
| Saarland | 29,70 € | Anlage 3 (zu § 5 Absatz 1 Nummer 8 in Verbindung mit Absatz 2 Satz 1 Buchstabe b) der Saarländischen Beihilfeverordnung (BhVO) |
| Sachsen-Anhalt | 29,70 € | § 3 Artikel 2 Besoldungs- und Versorgungsrechtsergänzungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Verbindung mit Anlage 9 (zu § 23 Absatz 1) BBhV |
| Nordrhein-Westfalen | 29,63 € | Verträge nach §§ 125, 125a SGB V |
| Bayern | 29,00 € | Anlage 3 (zu § 19 Abs. 1) BayBhV |
| Berlin | 29,00 € | Anlage 7 (zu § 23 Abs. 1) LBhVO Berlin |
| Schleswig-Holstein | 29,00 € | Anlage 3 (zu § 9 Abs. 1 Nr. 3 BhVO) Schleswig-Holstein |
| Hessen | 27,80 € | Bekanntmachung des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz vom 28.04.2025 zur Durchführung der HBeihVO (Höchstbeträge nach § 5 Abs. 1 HBeihVO), StAnz. 20/2025 S. 558 |
| Thüringen | 27,80 € | Verzeichnis der beihilfefähigen Höchstbeträge für ärztlich verordnete Heilmittel (Vorgriffsregelung zu Nummer 1 der Anlage 3 zu § 19 Abs. 1 ThürBhV), ThürStAnz Nr. 48/2024 S. 1697–1708 |
| Sachsen | 26,80 € | Anlage 3 (zu § 26 Absatz 2 und 3 sowie § 37 Absatz 4 Satz 7) der Sächsischen Beihilfeverordnung (SächsBhVO) |
Beträge aus den Verzeichnissen der Länder, je Land zuletzt geprüft zwischen dem 17. und dem 19.08.2026. Das Prüfdatum steht auf der jeweiligen Landesseite.
Was die Tabelle zeigt
Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Betrag liegen 2,90 € — bei einem Betrag um 29 Euro sind das rund zehn Prozent. Wer zwanzig Behandlungen im Jahr hat, für den ist das der Unterschied zwischen zwei Rechnungen.
Bemerkenswerter als die Spanne ist aber, wie die Beträge verteilt sind: Über sechzehn Länder gibt es nur 5 verschiedene Werte. Die meisten Länder liegen auf dem Betrag des Bundes; die Abweichungen nach unten sind einzelne Länder, deren Anlage länger nicht angefasst wurde.
Die drei Muster dahinter
- Länder, die dem Bund folgen. Manche verweisen in ihrer Beihilfeverordnung direkt auf die Anlage 9 BBhV, andere schreiben dieselben Beträge in eine eigene Anlage. Dieselben Beträge heißt dabei nicht dieselbe Rechtsgrundlage — wer einen Widerspruch begründet, muss die richtige nennen.
- Länder mit eigenen Beträgen. Nordrhein-Westfalen ist der auffälligste Fall: Dort richten sich die Beträge nach den Verträgen zu §§ 125, 125a SGB V und liegen deshalb auf krummen Werten, die sonst nirgends vorkommen.
- Länder mit älterem Stand. Wo die letzte Anhebung länger zurückliegt, steht ein niedrigerer Betrag — nicht weil das Land weniger zahlen wollte, sondern weil die Anlage noch nicht nachgezogen hat.
Warum der Behandlungstag mitzählt
Der Bund hat die Beträge für die Physiotherapie zum 1. Februar 2026 angehoben, und zwar nicht durch eine Änderung der Verordnung, sondern durch eine Vorgriffsregelung des Bundesinnenministeriums. Der Text der Anlage 9 BBhV führt seitdem andere Zahlen als die, die die Festsetzungsstellen anwenden.
Für Sie heißt das: Zwei Behandlungen aus demselben Quartal können unter verschiedenen Höchstbeträgen stehen. Wer eine ältere Rechnung gegen die heutige Tabelle hält, rechnet mit der falschen Fassung — und wer nur den Verordnungstext liest, findet für jede Behandlung ab Februar 2026 eine Überschreitung, die keine ist.
Wenn Ihr Bescheid unter dem Höchstbetrag liegt
Der Normalfall ist, dass der Bescheid genau auf den Höchstbetrag kürzt. Das ist die Regel, und daran ist nichts auffällig.
Der Fall, der sich lohnt, ist der andere: wenn der Bescheid sich auf den Höchstbetrag beruft und dabei unter ihn kürzt. Dann geht seine eigene Rechnung nicht auf — und das ist keine Auslegungsfrage, sondern eine Subtraktion, die jeder nachvollziehen kann. Dafür braucht es allerdings den Betrag, der an Ihrem Behandlungstag galt, und genau dazu ist diese Tabelle da.
Was Ihr Bundesland sonst noch eigen regelt — Bemessungssätze, Kostendämpfungspauschale, das vollständige Heilmittelverzeichnis —, steht auf der Übersicht der sechzehn Länder.